Toxische Partner: Trennungstipps aus persönlicher Erfahrung

Ein Beitrag von Gastbloggerin „Quintilia“ 

Die Trennung von einem „Psycho“ ist womöglich das emotional Schwierigste, was du in deinem Leben jemals zu bewältigen hattest und mit einer „normalen“ Trennung überhaupt nicht zu vergleichen. Für mich war es auf jeden Fall so.

Warum die Trennung von einem toxischen Partner so schwer fällt

In einem anderen Beitrag zum Thema, warum wir uns aus toxischen Beziehungen nicht gut trennen können, habe ich mich schon einmal mit dieser Frage auseinandergesetzt. Das liegt meiner Meinung nach nicht nur an der „schwierigen“ Persönlichkeitsstruktur deines Partners, sondern vor allem auch an deiner eigenen: Du bist abhängig wie ein schwer Suchtkranker und hast nun einen kalten Entzug vor dir! Welche Tipps kann ich dir nun aus meiner Erfahrung geben?

1. Gib es auf, dir Gedanken darüber zu machen, welche Diagnose auf deinen Partner zutrifft

Hättest du die Möglichkeit, deinen „Psycho“ einem ganzen Team der weltbesten Profiler und Psychiater vorzustellen, welchen Nutzen hätte für dich die Diagnose, zu der sie kommen würden? Egal ob diese nun „Psychopath“, „Narzisst“, „Borderliner“ oder sonstwie lauten würde – dieses Etikett am Glas würde nichts an der Wirkung des Inhalts verändern. Und diese Wirkung kennst du bereits: Sie tut dir nicht gut! Sie vergiftet dein Leben! Und das hast du wahrscheinlich längst ohne Profi herausgefunden, sonst wärst du nicht hier. Viel entscheidender, weil hilfreicher, wäre es dagegen zu wissen, welche Diagnosen denn auf dich selbst zutreffen: Warum bist du da überhaupt hinein geraten? Warum fällt es dir so schwer, dich von jemandem zu lösen, der dir offensichtlich nicht gut tut? Oder: Was ist nötig, dass dir dasselbe nicht noch einmal passiert? (Siehe Punkt 9)

2. Hör auf, deinem Partner „helfen“ oder ihn ändern zu wollen – hilf dir lieber selbst!

Natürlich entspringt die Frage nach der Diagnose nicht der blanken Neugier, sondern für viele Betroffene – so auch wiederholt mich – der Hoffnung, es wäre irgendeine Form von Hilfe möglich. Wenn schon nicht durch mich, dann wenigstens durch einen Profi, der sich mit einer solchen „Diagnose“ wirklich auskennt. Besonders ist das dann der Fall, wenn sich der Partner dir auch noch als „Opfer“ präsentiert. Meiner Erfahrung nach kann aber niemand eine andere Person ändern. Es kann sich immer nur jeder selbst ändern. Selbst der erfahrenste Psychotherapeut, der du als Partner vermutlich nicht selber bist, könnte deinen „Psycho“ nicht ändern. Er könnte lediglich deinem Psycho fachkundige Hilfe geben, sich selbst zu ändern, sofern das deinem Partner ein eigenes Anliegen wäre. Da sind wir aber schon beim nächsten Haken an der Sache: Meinem „Psycho“ war es in keinster Weise ein Anliegen, sich selber zu ändern, denn er hatte offenbar überhaupt kein Problem mit sich selbst oder dem Leben, das er führte.  Nur wer aber selbst ausreichend Leidensdruck empfindet, wird die Hilfe eines Profis suchen und diesen Leidensdruck kannst du deinem Partner nicht einreden. Der muss aus ihm selbst heraus erwachsen – was er vermutlich niemals tut.

Bleiben wir also bei der Person, die tatsächlich Leidensdruck empfindet, und das bist vermutlich du! Dieser schreckliche Druck könnte dir helfen, dich selber so zu ändern, dass du deinen Partner entweder gelassen aushalten kannst (ist das tatsächlich möglich?) oder es schaffst, zu dir selbst zurückzufinden, dich zu trennen und dich so zu ändern, dass dir das niemals im Leben mehr passiert!

3. Hör auf, die Beziehung retten zu wollen

Auch darin habe ich mich beinahe selbst aufgerieben und komme daher zu demselben Ergebnis: Es ist völlig zwecklos! Eine Beziehung kann man – wenn der umgangssprachliche Karren noch nicht allzu tief im Dreck stecken sollte – immer nur zu zweit retten. Und mit der Motivation des Psychos, eine Beziehung zu retten, verhält es sich nach meiner Erfahrung genau wie mit der, sich ändern zu wollen: Die ist gleich Null.

Immerhin funktioniert die Beziehung – nach seiner Ansicht – ja schließlich lediglich aus DEINER Schuld nicht. ER kann ja gar nichts dafür! Und er kann dich nicht ändern. Außerdem will der Psycho gar keine funktionierende Beziehung, bzw. das, was du darunter verstehst. Solange er irgendeinen Nutzen aus dir ziehen kann, bleibt er sowieso. Erst, wenn du aus irgendeinem Grund zur Bedürfnisbefriedigung nicht mehr taugst, kannst du getrost gehen. Er ist da auch sehr hart im Nehmen und hat außerdem gelernt: Egal, wie oft du Schluss machst, du kommst ja trotzdem wieder zurück, sobald er nur an deinen Marionettenfäden zupft. Woran sollte er also arbeiten?

4. Gib es auf, noch fehlende Erklärungen bzw. Antworten zu erhalten, hör auf dich zu erklären!

Wie viele Endlosdiskussionen hast du nun schon hinter dir, in denen du versucht hast, dich selber zu erklären? Dich zu rechtfertigen, bzw. Erklärungen einzufordern und Antworten auf offene Fragen und Umstände zu erhalten, die dir schleierhaft sind?

Ich gebe zu, ich bin da ein wirklich hartnäckiges Exemplar gewesen, das nicht so schnell aufgegeben hat. Was es gebracht hat? Rein gar nichts, außer der Tatsache, dass ich noch tiefer in die Sache geraten bin, als ich ohnehin schon drin steckte. Letztendlich oft noch verwirrter war als vorher, mit einem Meer von Lügen überflutet wurde, in Kloaken geschaut habe, von deren Existenz ich lieber nichts gewusst hätte.

Verstanden wurde ich nie! Und selbst verstehen werde ich es auch nie! 

Rechtfertigungen hat du auch gar nicht nötig. Vergiss deinen Anstand: Du musst dich nicht erklären, warum du es nicht mehr aushältst oder was du nicht mehr aushältst. Nach alledem, was dir zugemutet wurde, darfst du auch wortlos gehen. Du hast bei weitem genug gegeben. Es steht dir zu!

5. Gib den Kampf gegen Ungerechtigkeiten und Lügen auf

Genauso wie mir wurden dir von deinem Psycho bestimmt so einige unverschämte Lügen angedichtet, die dazu dienen sollten, sein eigenes Fehlverhalten vor sich und/oder der Außenwelt zu rechtfertigen. Da bist du dann schon mal der Klammeraffe, die hysterische Kuh, die Schlampe, die Fremdgängerin, die sinnlos Eifersüchtige, die psychisch Kranke … Diese Demontage in der Öffentlichkeit ist quasi das Sahnehäubchen auf der Torte des emotionalen Missbrauchs, der da auf deine Kosten betrieben wurde. Wem diese unverschämten Lügen alles mitgeteilt wurden, wirst du ohnehin nicht mehr nachvollziehen können. Was willst du dagegen tun? Die Menschen, die dich mögen und kennen, wissen wer du bist und wie du bist. Das ist das einzige, was zählt. Alle anderen können dir gestohlen bleiben!

Und es soll ja auch schon passiert sein, dass die eine oder andere Lüge ihren Ursprung schneller wieder einholt als man selbst gedacht hat. Vertrau fest darauf! Mein bevorzugtes Mantra zu diesem Punkt ist „Mein ist die Rache, spricht der Herr!“ Wenn du nicht so gläubig bist, ist auch „Karma is a bitch!“ ein netter Spruch. Du wirst einen finden, der zu dir passt. Finde dich möglichst schnell mit solchen Ungerechtigkeiten ab, sonst findest du niemals Ruhe!

6. Brich den Kontakt zu deinem Psycho vollständig ab – no contact!

Dieser Ratschlag ergibt sich eigentlich zwangsläufig aus den Punkten 1 bis 5. Es gibt nichts mehr zu klären, dem kann nicht geholfen werden – zumindest nicht von dir. Es gibt also rein theoretisch erstmal keinen Grund für weitere Diskussionen. Die bringen dir nichts – außer der Gefahr, dass du wieder in der Falle landest. Dazu gehören auch Geburtstagsglückwünsche, Weihnachtskarten, etc. Trenn dich von diesen Höflichkeitsfloskeln. Höflichkeit nur, wem sie gebührt!

Sollte es auf der Sachebene noch irgendetwas zu klären geben, zum Beispiel der Rückgabe von Eigentum, so gibt es vielleicht irgendeine Möglichkeit, dies ohne persönlichen Kontakt zu tun? Wie wäre es zum Beispiel mit einem versicherten Postpaket oder der Übergabe durch eine Vertrauensperson? Sicherlich gestaltet sich das Ganze für Ehepartner mit Kindern deutlich schwieriger. Aber auch hier würde ich raten: Besprecht nur das Nötigste mit eurem Psycho und bleibt dabei auf der Sachebene. Ist es vielleicht möglich, dass euch hier neutrale Vertrauenspersonen als Mittler dienen? Zumindest für den Anfang? Denk dabei auch an meinen Vergleich mit dem Suchtkranken vom Anfang: Du bist (mehr oder weniger) abhängig, also halte dich konsequent vom Suchtmittel fern. Vergleiche dazu zum Beispiel mal die Ratschläge für trockene Alkoholiker! Niemand würde einem solchen in der Anfangsphase sagen: „Setz dich ruhig immer wieder mal in die Eckkneipe und lass dir ein volles Glas Bier vor die Nase stellen!“

7. Trenn dich von der Idee von Freundschaft mit einem Psycho

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde? Freundschaft basiert auf gegenseitiger Wertschätzung, Vertrauen, Respekt, und findet auf Augenhöhe statt. Konntest du diese Erfahrung mit deinem Psycho machen? Ich denke, eher nicht. Das Gegenteil wird der Fall sein. Du wirst bessere Freunde finden!

8. Hab keine Angst vor der Zukunft

Schau nicht zu weit voraus, frag dich nicht ständig, was kommen wird, was aus dir werden soll, ob du jemals wieder jemandem vertrauen wirst, ob dir nochmal im Leben eine gesunde Beziehung gelingen wird …

Damit habe ich mich monatelang fix und fertig gemacht!

Der Psycho, bzw. die ständig um ihn kreisenden Gedanken, haben deinen Alltag so dermaßen übernommen, dass dir alles weitere wahrscheinlich schrecklich leer vorkommen wird. dieses furchtbare Gefühl, an Dauer-Vereinsamung sterben zu müssen, ließ mich lange Zeit nicht los.

Und doch kam es ganz anders als ich dachte. Vielleicht ganz anders, aber definitiv besser als erwartet. Besinne dich darauf, dass du auch vor der  Beziehung mit deinem Psycho ein Leben hattest, das vielleicht gar nicht so schlecht war. Du kamst zurecht und vor allem warst du frei! Hole dir das „Leben davor“ aus der Versenkung zurück! Alles ist besser als „Gefangene“ in diesem Psycho-Gefängnis zu sein. Vertraue fest darauf!

9. Hol dir therapeutische Hilfe

Unter Punkt 1 habe ich es bereits geschrieben: Es ist ungemein hilfreich und gewinnbringend, sich unter fachkundiger Anleitung intensiv mit den eigenen psychischen Problemen auseinanderzusetzen und der Frage auf den Grund zu gehen, wie man überhaupt in eine solche, zerstörerische Beziehung geraten konnte! Kümmere dich also um den Psycho-Anteil in dir selbst.  Ziel jeder Therapie ist es, dass es DIR gut geht, dass DU in deinem Selbstwert und deinen Fähigkeiten gestärkt wirst und dein Leben bewältigen kannst. Die Gefahr, dass du ansonsten an den nächsten Psycho gerätst und in seine Fallen tappst, ist ansonsten riesengroß. Denn leider gibt es mehr solcher Psychos auf dieser Welt, als man landläufig annehmen würde.

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Bis bald!

Eure Quintilia!

Bildquelle: Pixabay

 

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