The Handmaids Tale – Rezension zur Serie

Was hat eine Serie wie diese mit Narzissmus zu tun? Vielleicht nichts. Vielleicht alles. Vielleicht sollte man diesen Begriff auch einfach mal außen vor lassen und die Dinge beim Namen nennen: Missbrauch und totale Entrechtung der Frau. „The Handsmaid Tale – Der Report der Magd“ ist eine Serie, basierend auf der literarischen Vorlage von Margaret Atwood aus den Achtziger Jahren. Eine erschütternde, verstörende Dystopie und weit mehr als das. Wozu wären Männer fähig, wenn sie mit Segen der Staatsführung die Allmacht über Schicksal und Leben der Frauen hätten? Schon in 2019 gab mir eine Facebook-Freundin den Tipp zu dieser Serie (danke Jana!), und nachdem ich mich kurz damit beschäftigt habe, wollte ich sie eigentlich erst mal gar nicht sehen. In der Kurzbeschreibung habe ich leider weder das gesellschaftspolitische, noch das feministische Thema erkannt. In meinen Augen ging es lediglich um eine verstörende Serie und ich ordnete sie in der Aussagekraft unter anderem bei „The walking dead“ ein. Also eher Entsetzen schüren, sinnlos, weil völlig unrealistisch. Brutalität in schlimmster Form gegen Frauen. Und doch habe ich sie mir jetzt angesehen – und immer mehrere Folgen auf einmal, weil ich einfach nicht Schluss machen konnte. Vielleicht wurde mein Interesse geweckt als ich erfuhr, dass Atwoods Roman inzwischen im Englisch-Unterricht Abiturthema ist. Ein absoluter Klassiker. Daher übrigens auch der Link zum Buch im Artikelbild, auch wenn ich hier über die Serie spreche.

Worum geht`s in „The Handmaids Tale“?

Die Handlung spielt in einem durch Umweltverschmutzung weitgehend unfruchtbaren Amerika. Die Unfruchtbarkeit bezieht sich hier nicht nur auf Land und Boden, sondern auch auf die Menschen. Viele Männer sind zeugungsunfähig. Die allermeisten Frauen sind ebenfalls unfruchtbar. Ideale Bedingungen für eine Radikalisierung: Aus den nicht durch Umweltverschmutzung unbewohnbaren Teilen Amerikas wird also der fundamentalistische Gottesstaat „Gilead“. Im Laufe der Serie wird deutlich, dass er von Männern vorbereitet und in die Wege geleitet wurde, dass viele Maßnahmen im Staat die unwissenden Menschen ganz plötzlich getroffen und in hilflose Positionen gebracht haben. Wir erfahren im Grunde, wie man vorgehen muss, um eine ganze Gesellschaft zu entrechten, insbesondere die Frauen. In Gilead zählt der Nutzen, den ein Mensch bringt. Die Menschheit muss jetzt überleben, und dass es sich mit diesem hohen Ziel manche sehr bequem auf Kosten anderer einrichten, ist klar.

Männer haben die Allmacht. Sie sind entweder „Commander“ und als solche Herrscher über Städte, den Staat insgesamt, und den eigenen Haushalt mit allen sich darin befindlichen Menschen. Oder sie dienen dem Staat als „Auge“, eine moderne Form von Gestapo. Die Augen überwachen die Gesinnung der Commander, der Bevölkerung überhaupt, aber auch die reibungslose Funktion der Frauen, egal in welcher Position diese sich befinden. Oder sie sind eben Arbeiter und Angestellte, die sonstige Teile des Systems am Laufen halten. Und Männer verdienen Geld mit ihrer Arbeit.

Die totale Entrechtung der Frau

Frauen dürfen nichts mehr. Sie dürfen nichts mehr besitzen – mit der Betonung auf wirklich NICHTS. In einer sehr eindringlichen Szene erleben wir, dass die bis dahin übliche Kartenzahlung nicht mehr funktioniert, wenn ein „f“ im Punkt „Geschlecht“ vermerkt ist. Die Kreditkarten aller Frauen werden gleichzeitig im ganzen Land und ohne Vorwarnung gesperrt. Ein Wendepunkt in der gesellschaftlichen Ordnung, an dem Frauen sofort hätten flüchten müssen, doch … ohne Geld? Guthaben werden ihren Ehemännern gutgeschrieben. Manche Männer fliehen an diesem Punkt mit ihren Familien, vielen gelingt die Flucht nicht.

Wohl denen, die in einer Single-Gesellschaft überhaupt einen Ehemann haben, der über das Einkommen verfügen darf. Alle anderen sind nämlich von einer Sekunde auf die andere völlig mittellos, egal wie viel tausend Dollar sie auf der Bank liegen haben. In einer anderen, ebenfalls sehr eindrucksvollen Szene erleben wir, wie auch das eigene Einkommen ausgehebelt wird. Frauen dürfen nicht mehr arbeiten. Gleich in welcher Position sie sich befinden, auch das passiert alles zur gleichen Zeit und überall in Gilead, wo Frauen berufstätig sind: Die Vorgesetzten haben zehn Minuten Zeit, ihre weiblichen Angestellten dazu zu bringen, ihre Arbeitsplätze zu räumen und die Gebäude zu verlassen. Das waren die eiskalt geplanten, landesweit stattfindenden Aktionen zur Übernahme durch ein totalitäres, fundamentalistisches System, in dem nur Männer das Sagen haben.

Homosexualität wird als Geschlechtsverrat gewertet. Homosexuelle werden entweder an der Mauer aufgehängt und zur Warnung öffentlich zur Schau gestellt, oder auf irgendwelchen Hinterhöfen und Gefängniseinrichtungen durch Hängen hingerichtet. Fruchtbare, lesbische Frauen können überleben, indem sie als Magd dienen, müssen ihren „Geschlechtsverrat“ jedoch geheim halten.

Grundsätzlich gibt es für Frauen nur wenige Möglichkeiten des Überlebens, und welche das sind, bestimmen natürlich Männer. Im günstigsten Fall sind sie „Gattinnen“: Ehefrauen der Commander oder der „Augen“. Schlechter trifft es die, die nicht vor der Einführung des fundamentalistischen Gottesstaates Gilead einen Ehemann in entsprechender Position hatten. Sie werden „Marthas“, nichts anderes als Sklavinnen zur Führung eines Haushalts: Entrechtet, ausgeliefert auf Gedeih und Verderb, und dennoch sind sie noch weitaus besser dran als die „Mägde“.

Mägde sind die wenigen, noch fruchtbaren Frauen im Land. Sie dürfen nicht mehr bei ihren eigentlichen Vornamen genannt werden, sondern heißen grundsätzlich „Des“. Wenn sie dann eine „Anstellung“ in einem Haushalt erhalten, bei der natürlich kein Mitspracherecht besteht, erhalten sie den zweiten Teil ihres Namens nach dem Vornamen des Commanders. Und so wird aus der Hauptprotagonistin „June“ in ihrer ersten „Anstellung“ schlicht und ergreifend „Desfred“. Sie gehört jetzt Commander Fred. Erlebt man das Schicksal der Marthas und der Mägde, fragt man sich, ob die „subversiven Elemente“ in Gilead nicht besser dran sind, wenn sie zur Zwangsarbeit verpflichtet in die hochtoxischen „Kolonien“ geschickt werden und dort mit Schaufeln und unter der Aufsicht von sadistischen Aufseherinnen, die natürlich Gasmasken tragen dürfen, Zentimeter für Zentimeter die vergiftete Erde abtragen müssen. Bis sie von Krebs zerfressen und/oder vor Anstrengung tot umfallen oder elend in den Sammelbaracken verrecken.

Und dann wären da noch die „Tanten“. Angeblich gottesfürchtige und wohlmeinende, besonders um Moral und Anstand verdiente Frauen, deren Aufgabe es ist, die Mägde zur Reproduktionssklavin auszubilden und in ihren „Anstellungen“ zu begleiten, damit alles schön glatt läuft und möglichst viele Kinder geboren werden. Die Tanten, unter denen wir insbesondere „Tante Lydia“ erleben, die zwar immer mit ekelhaft bigottem, wohl- und gottesgefälligem Lächeln fröhlich und höchst motiviert ihre „Arbeit“ tut, ganz offenbar aber auch mit ihrer Position einen Platz in dieser dystopischen Welt gefunden hat, der ihr ermöglicht, ihren Sadismus aufgrund ihrer eigenen Frustration in ihrem Leben vor Gilead auszuleben.

Arbeiten ist nun dann doch wieder nicht nur erlaubt, sondern sogar vorgeschrieben. Aber für Frauen darf es jetzt nicht mehr um Selbstständigkeit, Karriere und Selbstverwirklichung gehen, sondern um reine Funktion im Sinne des Staates. Und natürlich ohne Bezahlung. Man lebt für Kost und Logie bei seinem Ehemann oder im Haushalt eines Herren. Und „unter seinem Auge“.

Ein Staat, wie er ruchloser und menschenverachtender nicht sein könnte – und alles „unter seinem Auge“

Gott ist groß, das kennen wir ja. In Gilead geschieht alles „unter seinem Auge“. Denn Gott und der Glaube an ihn ist oberstes Gebot in einer Welt, in der Frauen vollkommen entrechtet sind, sogar die Gattinnen. Eine Welt, in der Frauen, gleich welchem Rang sie angehören, als Bestrafung fürs Lesen ein Finger abgehackt wird als erste Warnung, und bei einem weiteren Verstoß eine Hand. Selbst Bücher schreiben oder auch nur eine Einkaufsliste – verboten. Nicht mal die Bibel dürfen sie lesen. Die Frau in Gilead hat nach den (angeblichen) Geboten Gottes zu leben und dem Mann zu dienen. Als Gattin, als Magd, als Martha oder eben in der Zwangsarbeit. Man verabschiedet sich mit dem Spruch „unter seinem Auge“ voneinander und begrüßt sich auch so. Mägde begrüßen sich mit den Worten „Gesegnet sei die Frucht“ und antworten auf diesen Gruß mit „Möge der Herr mich öffnen“.

Die Commander ziehen sich in ihre eigenen Räumlichkeiten zurück und verschanzen sich hinter ihrer ach so wichtigen Arbeit, also haben auch die Gattinnen keinen Gesprächspartner. Es ist ruchlos, wenn Männer und Frauen miteinander kommunizieren – und daher nicht gerne gesehen, eigentlich sogar verboten. Auch die Gattinnen sind einfach nur da, schmücken ihre Männer durch Hübschsein, die einheitliche Kleidung (sehr edel, aber einheitlich in Türkis) und haben ansonsten die Klappe zu halten. Kein Mitreden, keine eigene Meinung, nur Gehorsam. Kein Wunder, dass so manche davon ausflippen und ihre Frustration an Marthas und Mägden auslassen. Trotzdem verachtenswert. Und eine „Serena Joy“, Gattin von „Fred“ muss irgendwann erkennen, dass sie selbst es gewesen ist, die mit ihrem Bestseller „Der Platz einer Frau“, der vor der Gründung von Gilead erschien, den ganzen Mist sogar mit abgesegnet und befürwortet hat, auch wenn das in dieser Radikalität eigentlich gar nicht ihr Anliegen war.

Uniformen sind ein Zeichen Gileads. Mägde in roten Gewändern und mit weißen Hauben ausgestattet, die sie dazu zwingen, nicht nach rechts oder links zu schauen, sondern demütig am besten auf den Boden. Rot ist die Signalfarbe, eine flüchtende Magd ist so besser zu sehen. Die Marthas, auch alle einheitlich mit Kopftuch und Gewändern, aber in unsichtbarem Grau. Die Frauen der Wächter tragen nicht die edle Kleidung in türkis, sind aber ebenfalls recht einheitlich und farblos gekleidet. Frauen tragen grundsätzlich keine Hosen. Nur Gewänder. Alles schön einheitlich und nach Gottes Geboten, der ja keinen Neid und keine Eifersucht duldet. Wenn alle gleich angezogen sind, gibt es auch kein Konkurrieren. Hier zählt nur noch das Überleben. Schön sein ist toll, weil es dem Mann gefällt, aber sich Gedanken über Schönheit zu machen ist eine Sünde.

Eigene Kinder, die zur Zeit des Umsturzes bereits existieren, werden den Mägden entrissen und in „guten Familien“ untergebracht. Die Mägde werden auf Funktion (seid fruchtbar und mehret euch) gedrillt, die Strafen für Ungehorsam oder freche Worte sind biblisch: Von abgehackten Fingern oder der ganzen Hand zu ausgerissenen Augen bis hin zur Beschneidung. Alles ist erlaubt, nur die Fruchtbarkeit ist unantastbar. Wie Schlachtvieh markiert man die Mägde mit Ohrmarken.

Die Zeremonie

Es sind die Tanten, die sorgsam über die fruchtbaren Tage der Mägde wachen, eine ihrer obersten Pflichten übrigens. Denn an diesen Tagen findet die Zeremonie statt. Während der Commander vollkommen emotionslos die Magd vergewaltigt, liegt diese mit dem Kopf auf dem Schoß der Gattin, die außerdem deren Hände hält. Die Magd hat gefälligst ruhig dazuliegen und dem Commander natürlich nicht in die Augen zu schauen. Vorher verliest der Commander natürlich noch ein Bibelzitat, das Gattin und Commander vermeintlich zu diesem Akt berechtigt, bei dem sich beide in die Augen schauen, als würden sie tatsächlich gerade ein Kind miteinander zeugen.

Interessant auch, wie dann die Geburten gestaltet werden. Alle Mägde, die zum Zeitpunkt der Geburt nicht gerade selbst gebären, finden sich im Haus des Commanders ein. Die Gattin legt sich ins Bett als sei sie selbst die Gebärende und wird in Atmung und Pressvorgängen durch einstudierte Kommandos der Mägde unterstützt, während die gebärende Magd die ganze Prozedur zu meistern hat. Nach der Geburt wird der Säugling der Gattin in die Arme gelegt und sie darf sich dann von den Strapazen erholen. Und auch das alles „unter seinem Auge“.

Zu viel Spoiler?

Kann sein. Ich habe jetzt allerdings nur die Rahmenbedingungen von Gilead beschrieben. Eine hoffnungslose Welt voller Grausamkeit, menschenverachtend, frauenfeindlich bis ins letzte Detail, sadistisch. „Desglenn“ lebt nicht in der Hauptstadt. Diese lernt sie erst in Staffel drei kennen und wir erfahren, dass es ihr sogar noch vergleichsweise gut geht. Denn in der Hauptstadt heißt es für die Mägde außerdem: „Selig sind jene, die schweigen!“ Das Schweigen zeigt sich nicht nur optisch durch die rote Unform, die in der Hauptstadt auch den Mund bedeckt, sondern durch versiegelte Münder und abgetrennte Zungen. Wer spricht, kann sich mitteilen, kann sich beklagen, kann Netzwerke bilden, kann aufständisch werden.

The Handmaids Tale“ besticht durch triste Farben, erhält seine Dramaturgie durch die roten Gewänder der Mägde und der stillen Verzweiflung der Frauen, gleich welchen Ranges sie auch sein mögen. Die Serie schürt aber auch immer wieder so etwas wie Hoffnung. Die Marthas bilden Netzwerke und übermitteln sich ihre Antworten wie „ja“ oder „nein“ durch das Backen von Scones oder Muffins in den Küchen ihrer Herren. Im peinlich sauberen und übertrieben ordentlichen Supermarkt flüstert man sich – das gilt auch für die einkaufenden Mägde – Botschaften und Fragen zu, während man das eine oder andere in den Einkaufskorb packt.

Netzwerke geben Hoffnung. Hoffnung hält Menschen am Leben. Hoffnung darf niemals sterben. Und so dramatisch auch jede einzelne Folge sein mag, wie auch der Verlauf der Schicksale all dieser Frauen, die Hoffnung darf wachsen. „Kanada“ ist auch nicht einfach nur ein Staat, sondern steht ebenfalls für Hoffnung. In Kanada finden Menschen, denen die Flucht gelingt – das sind nicht viele – Asyl. Menschenwürdige Behandlung. Freiheit, die sie nach all dem erlittenen Missbrauch erlitten haben, noch mehr zu schätzen wissen als sie es vor Gilead taten. Frauen wie auch Männer. Die geflüchteten Männer, die es über die kanadische Grenze schaffen, stehen nach meinem Empfinden auch dafür, dass eben nicht alle Männer mit der totalen Entrechtung der Frauen und deren Missbrauch einverstanden sind. Dass es auch viele Männer gibt, die dagegen kämpfen. Ein Lichtblick!

Der Link in unser aktuelles Zeitgeschehen

Schaut man derzeit nach Amerika, könnte man es schon mit der Angst zu tun bekommen. Die aktuellen Entwicklungen unter Trump, der inzwischen überall in der Welt als einer der größten Narzissten gilt, der sich schon oft als frauenfeindlich gezeigt hat, zeichnen zwar noch immer ein Bild von Freiheit der Frauen, aber auch nur wenn man bereit ist darüber hinwegzusehen, dass die Mehrheit der Amerikaner Frauen das Recht zum Beispiel auf eine Abtreibung absprechen – selbst wenn eine Schwangerschaft durch Vergewaltigung zustande kam. Die Gottesfürchtigkeit und Bigotterie so mancher amerikanischer Fundamentalisten ist ebenfalls recht beängstigend.

Und grundsätzlich leben wir im Jahre 2020 auch weltweit in der „Corona-Zeit“. Regierungen müssen – und da gehe ich absolut mit – zum Schutz der Bevölkerung so manche Schutzmaßnahmen beschließen. Was das betrifft, ärgern mich persönlich auch Aussagen von Menschen, die der Meinung sind, wir befänden uns auf dem Weg in einen totalitären Staat. Das sehe ich nicht so.

Dennoch, schaut man sich „The Handmaids Tale“ an, denkt man unwillkürlich an Ausgangsbeschränkungen und die viel diskutierte Bargeldabschaffung. Ich persönlich kann mir (noch) nicht vorstellen, dass es dazu kommen könnte. Da darf man mich ruhig naiv nennen, manche Menschen belächeln mich dafür auch, das ist mir aber (auch noch) egal. Mit der Bargeldabschaffung hätte man uns freilich in der Hand, gleich ob es um die Interessen von Behörden wie Finanzämtern ginge oder um den Druck und Zwang zu bestimmten Handlungen oder Unterlassungen. Nimmt man den Menschen per Knopfdruck die Möglichkeit zu bezahlen, stürzt man sie ins Elend und macht sie gefügig. Keine Frage, dass auch ich darin eine große Gefahr sehe und dagegen kämpfen würde.

Corona“ brachte bisher ja schon so einige Geschäftsinhaber und Unternehmensketten dazu, kein Bargeld mehr zu akzeptieren. Aus Hygienegründen. Und auf Nachfrage erfährt man dann auch, dass es sich hier NICHT um Anordnungen aus der Politik handelt, sondern um Entscheidungen der Geschäftsführung. Geschäfte in denen ich nicht einkaufe. Ich zahle viel mit Karte, aber ich lasse mich dazu nicht zwingen. NOCH kann ich entscheiden und NOCH kann ich nicht daran glauben, dass unser Bargeld europaweit abgeschafft wird.

Und doch wirkt „The Handmaids Tale“ beängstigend und verstörend, insbesondere mit einem Blick auf die Gegenwart. Die Entrechtung der Frauen haben wir doch alle vor Jahrzehnten schon im damaligen Persien miterlebt. Das ging alles ziemlich schnell und war ganz offensichtlich gut vorbereitet. Im Namen Gottes. Der heutige Iran ist ein fundamentalistischer Gottesstaat, und er war es eben nicht immer. Die Frauen im Iran wissen,was biblische Strafen sind, denn sie sind es zumeist, die man nach den Gesetzen des Koran verurteilt. Die Rechte, die wir Frauen in unserer westlichen Welt genießen dürfen, die Freiheiten, sind in mehreren Jahrzehnten hart erkämpft worden. Ich kann mich beispielsweise noch sehr gut daran erinnern, dass meine Oma die Einverständniserklärung von meinem Opa vorlegen musste, als sie sich in unserem ansässigen Supermarkt als Verkäuferin beworben hat. Diese Unterschrift hat mein Opa ihr natürlich verweigert, denn er wollte dass sie sich um die Familie kümmert. Das war ihr Platz, und das ist gerade mal fünfzig Jahre her. Das Wahlrecht von Frauen ist hart erkämpft worden. Gleiche Bedingungen an den Arbeitsplätzen haben wir bis heute nicht, Frauen verdienen durchschnittlich immer noch weniger Geld als Männer. Frauen werden auch heute noch gefragt, wer sich denn um ihre kranken Kinder kümmert, wenn sie arbeiten müssen, fragt man das auch die Väter in einem Vorstellungsgespräch? Ich habe so etwas noch nie gehört.

Und mit einem besonderen Blick auf die Figur „Serena Joy“ erinnere ich an so manche Frauen, die der Frauenbewegung in den Rücken fallen, indem sie – wie Serena es vor Gilead tat – lautstark dafür eintreten, dass Frauen sich doch wieder auf ihren Platz (am Herd, an der Seite des Gatten und bei den Kindern) besinnen sollen.

In „Gilead“ erfolgte die Machtübernahme durch das totalitäre Regime aufgrund von fortschreitender Umweltzerstörung und terroristischen Aktivitäten. Mehrfach wird in der Serie die Frage gestellt: „Gab es diese Terroristen eigentlich?“ Da fällt mir wieder Corona ein und die viel in sozialen Netzwerken diskutierte Frage: „Gibt es Covid 19 eigentlich oder ist das nur ein harmloser Virus und mit der Grippe zu vergleichen?“ Verarschen „die“ uns etwa?

Damit kein falscher Eindruck entsteht

Viren sind unsichtbare Feinde. Dieser unsichtbare Feind, den man nicht fassen, nicht greifen kann, den man nicht einschätzen kann, der theoretisch überall lauert, unsichtbar, der sorgt für Panik auf der einen Seite und für Verharmlosung auf der anderen Seite. Ich persönlich versuche da, in der Mitte zu bleiben. Viren sind gefährlich und sie wollen überleben. Dafür springen sie wie Zecken alles an, wovon sie sich ernähren können, wo sie weiterleben können. Anders als Zecken sehen wir sie aber nicht. Und sie mutieren, auch das unterscheidet sie von irgendwelchen Parasiten. Ich muss keine Virologin sein um zu wissen, dass ein Virus sich mit der Zeit verändert, wenn die Bedingungen nicht mehr optimal sind, unter denen er weiterleben kann. Bestes Beispiel dafür sind Grippeviren.

In der Folge hat unsere Bundesregierung Schutzmaßnahmen beschlossen, die für uns alle unangenehm sind. Für viele Menschen bedeutet das eine Vernichtung ihrer beruflichen und materiellen Existenz. Ja, diese Probleme sehe ich und so ganz unbetroffen bin auch ich da nicht. Andererseits sind mir persönlich Menschenleben wichtiger. Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Vielleicht ist das Virus gefährlich, vielleicht weniger gefährlich als man bisher angenommen hat. Vielleicht aber auch noch gefährlicher als wir zu glauben bereit sind. Im Moment wissen wir, dass wir gar nichts oder viel zu wenig darüber wissen. Ich habe Frau Merkel auch nicht gewählt, finde aber dass sie momentan einen guten Job macht. Über Spahn mag ich mich an dieser Stelle lieber nicht äußern.

Ich persönlich glaube NICHT an die geplante Einführung einer neuen Weltordnung. Aber ich erlaube mir täglich einen Blick auf das aktuelle Weltgeschehen, eine Meinungsäußerung dazu und eine gewisse Wachsamkeit.

Ein gesprochener Satz, der mir seit dieser Serie nicht mehr aus dem Kopf geht ist folgender:

Von den Frauen ausgelacht zu werden, zählt schon seit Anbeginn der Menschheit zu den größten Ängsten der Männer. Von den Männern getötet zu werden, zählt schon seit Anbeginn der Menschheit zu den größten Ängsten der Frauen.“ Vielleicht ist da was dran! Nun noch mal die Eingangsfrage: Was hat diese Serie mit Narzissmus zu tun? Nun, wer sie sich anschaut, wird ganz viele narzisstische Persönlichkeiten erleben. Ganz viele narzisstische Kränkungen. Ganz viel Missbrauch. 

Wo kann man „The Handmaids Tale“ anschauen?

Staffel 1 bis 3 gibt es als DVD zu kaufen, der Einfachheit halber habe ich die DVD-Cover in diesem Artikel mit Amazon verlinkt. Wer sie streamen möchte, kann Staffel 1 bis 3 bei Magenta TV sehen. Auf Joyn Plus liegen derzeit die Staffeln 1 und 2.

Ich persönlich habe beschlossen, dass diese Serie es verdient, gekauft zu werden.