Selbstfürsorge nach narzisstischem Missbrauch – wie steht es um deine Gesundheit?

Ausgesaugt und ausgelaugt – so beschreiben Menschen das Gefühl zu ihrem körperlichen und seelischen Zustand, wenn sie es geschafft haben, eine narzisstische Beziehung hinter sich zu lassen. Die meisten fühlen sich krank und schlapp, laufen regelrecht auf „Notstrom“. Ja, narzisstischer Missbrauch laugt aus und die Trennungsphasen mit narzisstischen Expartnern bringen den ganzen Missbrauch von mehr oder weniger Jahren noch mal zu einem absoluten Höhepunkt. Manche brechen erst mal zusammen. Selbstfürsorge – ein Begriff, der für die meisten Betroffenen fremd ist.

Missbrauch ist Stress

Der Stress bei narzisstischem Missbrauch besteht aus unendlichem, seelischen Schmerz, aus permanenter Anspannung und sehr vielen Ängsten, die nicht selten in Trennungsphasen sogar noch geschürt werden. Bei erhöhtem Stress wird vermehrt das Hormon Adrenalin ausgeschieden. Das ist im Grunde gut, denn ein erhöhter Adrenalinspiegel sorgt dafür, dass wir in Gefahrensituationen flüchten können und verleiht uns Kräfte, die wir unter normalen Umständen nicht haben. Wer schon einmal in einer Gefahrensituation gewesen ist, kennt die Anzeichen: Der Puls ist stark erhöht, das Herz rast. Ist die Gefahrensituation bewältigt, sinken wir erst einmal erschöpft nieder. Aber was passiert eigentlich im Körper, wenn er dauerhaftem Stress ausgesetzt ist? Wenn sich so etwas über Monate oder Jahre zieht?

Ständiger seelischer Stress, Gefühle wie Angst, ständige Anspannung, seelischer Schmerz, sorgt für eine ständige Ausschüttung von Adrenalin – das Organsystem befindet sich in einem Zustand von ständiger Überbelastung. Der Blutzuckerspiegel steigt an – all das kann zu starken, gesundheitlichen Problematiken führen wie beispielsweise eine Nebennierenschwäche, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vieles mehr. Eine weitere, wichtige Rolle spielt die vermehrte Produktion von Cortisol. Ich empfehle an dieser Stelle einen hervorragenden und gut verständlichen Artikel des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“, der hier nachzulesen ist:

Artikel bei Spektrum.de

Der Körper krankt

Man neigt dazu, immer noch, viele Krankheiten aufs Älterwerden zu schieben. Ist doch klar, dass das eine oder andere Wehwehchen sich bemerkbar macht, wenn man mal die dreißig, vierzig oder fünfzig überschritten hat. Natürlich kann man auch nicht für alle Krankheiten den erlittenen jahrelangen psychischen Stress verantwortlich machen, aber so einiges löst das schon aus. Es addieren sich ja zu dem ganzen Schmerz durch narzisstischen Missbrauch auch häufig noch viele andere Problematiken hinzu: Existenzängste, finanzielle Sorgen, vielleicht Arbeitslosigkeit. Das macht noch zusätzlichen Stress, bei manchen Betroffenen über Jahre! Das Hormonsystem läuft auf Hochtouren. Ist dir schon mal aufgefallen, dass Menschen oft erst dann krank werden, wenn wieder Ruhe in ihrem Leben eingekehrt ist? Wenn die Belastungen hinter ihnen liegen? Das kann man oft beobachten, wenn Menschen, die durch ihren Job sehr belastet sind, ihren Jahresurlaub machen. Sie fliegen an die schönsten Plätze dieser Welt, mit dem Ziel sich zu erholen, und werden erst mal richtig krank. Ich tausche mich nun lange genug mit Betroffenen aus und habe ein bisschen „gesammelt“: Mir fällt auf, dass es Krankheiten gibt, die bei vielen Betroffenen von narzisstischem Missbrauch ausbrechen, sobald der Missbrauch hinter ihnen liegt: Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen die Hitliste an, dicht gefolgt von Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto oder auch Diabetes. Ich verweise nochmals auf den oben verlinkten Artikel – wer diesen genau studiert, wird die Zusammenhänge sicher erkennen.

Therapie als einzige Hilfe?

Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Panikattacken … die meisten Betroffenen nehmen so schnell es geht nach solchem Missbrauch eine Therapie in Anspruch. In besonders schweren Fällen erkennen die behandelnden Ärzte auch die Notwendigkeit eines Klinikaufenthalts, einer Reha oder einer Tagesklinik. Das ist ganz wichtig und unumgänglich. Zur Gesundung nach narzisstischem Missbrauch gehört aber noch viel mehr. Nach emotionalem Stress, wie er durch Missbrauch entsteht, gilt es auch, deinem Körper mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere wenn Krankheiten wie Hashimoto, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgebrochen sind, reicht es nicht, sich um den psychischen Zustand zu kümmern – und das Körperliche lediglich mit den entsprechenden Medikamenten zu behandeln. Viele Krankheiten sind nicht umkehrbar. Man kann aber viel für sich selbst tun, um möglichst wenig Symptome zu spüren.

Gesunde Ernährung trägt zur Heilung bei

Für heute möchte ich dir erst einmal die Frage stellen: Wie steht es um deine Ernährung im Allgemeinen? Butter bei die Fische, ich kenne die „Schlunzerei“ von mir selbst. In schlimmen Zeiten habe ich oft tagelang gar nichts gegessen oder maximal an einem Toast geknabbert. Obst, frisches Gemüse – das lachte mich überhaupt nicht an. Ich habe das Essen größtenteils einfach vergessen. Oft auch nicht ausreichend getrunken. Wenn ich alleine war, habe ich mir im besten Fall irgendwas Essbares auf den Teller gelegt und nebenher daran geknabbert, während ich eigentlich andere Dinge gemacht habe. Der Hunger, wenn ich mir so einen Teller zurechtgemacht habe, war oft sehr groß, aber immer nur in diesem Moment. Am Ende blieb die Hälfte liegen. Wirklich gut gegessen habe ich meist nur in (netter) Gesellschaft. Mir wurde irgendwann klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ich selbst bin vor einigen Jahren an Hashimoto erkrankt, das ist eine chronische Erkrankung der Schilddrüse. Auch wenn ich kaum etwas aß, so nahm ich doch immer mehr zu und litt gleichzeitig unter allen möglichen Symptomen. Zum Schluss dachte ich, ich hätte eine Herzschwäche, weil ich nicht mal drei Treppenstufen aufsteigen konnte, ohne dass mein Herz vor Anstrengung raste. Wer nun meint, ich wäre von meiner früher üblichen Größe 36 nun auf Zirkuszeltgröße gewachsen, irrt. Es waren „nur“ 18 Kilo mehr als mein Normalgewicht. 8 dieser lästigen Kilos habe ich inzwischen wieder verloren und das nicht, weil ich das Essen vergaß, im Gegenteil: Ich fing an abzunehmen, als ich anfing, mich ordentlich zu ernähren. Und mit jedem Kilo das ich verlor, besserten sich meine Symptome.

Wie ist es bei dir?

Wirfst du dir auch nur was Essbares auf einen Teller, knabberst nebenher? Die Hälfte bleibt liegen, weil dir mittendrin der Appetit vergeht? Oder gehörst du eher zu denen, die sich mit Essen trösten und sich diesen Schutzpanzer anfuttern, wie man es auch oft hört? Wir alle haben durch unsere bisherige Entwicklung Essgewohnheiten entwickelt, die sich nicht so einfach auslöschen lassen. So wie manche Menschen – wie ich zum Beispiel – dazu neigen, bei Kummer und seelischem Stress das Essen zu vergessen, neigen andere dazu, sich mit Essen zu trösten und zu beruhigen. Beides ist fatal. Dagegen gilt es wirklich anzugehen, denn besser machen wir damit nichts, ganz im Gegenteil.

Eine ausgewogene Ernährung, aber auch Themen wie Entgiftung, Mineralstoff- und Vitaminversorgung sind ganz wichtige Maßnahmen im Rahmen der Selbstfürsorge. In meinen nächsten Artikeln werde ich mich nach und nach ausführlicher mit diesen Themen beschäftigen und die dann verfügbaren Artikel hier weiterführend verlinken.

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