Manipulation im Alltag

Die Tage habe ich als bekennender Serienjunkie mal wieder meine DVD-Sammlung durchstöbert und stieß auf die „Desperate Housewifes“. Ist ja immer ganz interessant, wenn man sich eine Serie nach ein paar Jahren noch mal anschaut. Und da fiel mir auf, dass Manipulation ein ganz großes Thema unter den Damen in den Hauptrollen ist, und sogar eins, das auf die Schippe genommen wird, indem man damit umgeht, als sei es selbstverständlich, Ehepartner, Nachbarn, Freunde und Kollegen zu manipulieren.

Leider ist Manipulation auch selbstverständlich

Und das liegt daran, dass wir bereits damit aufwachsen. Ich behaupte sogar, dass wir alle damit aufwachsen. Ehrlich gesagt kenne ich keine Mutter und keinen Vater, die/der nicht irgendwann mal im Rahmen der Erziehungsarbeit mit solchen Tricks aufgefahren wäre. Zimmer müssen aufgeräumt werden, Hausaufgaben sollen erledigt werden. Wir erwarten Pünktlichkeit, Ordnung, ein gutes Sozialverhalten von unseren Kindern. Und wenn`s nicht klappt, drohen wir mit Hausarrest, mit Fernsehverbot und mit dem Entzug der geliebten Playstation. Aber gut – irgendwie müssen Eltern sich durchsetzen und ihren Erziehungsaufgaben nachkommen. Wir wollen schließlich ein kleines Menschlein großziehen, das es später möglichst einfach hat, weil es was erreicht hat mit seinen guten Noten, und weil es ein ordenlicher, sozial verträglicher Mensch geworden ist. Und trotzdem kommt man irgendwann an den Punkt – als erwachsener Mensch – an dem man sich über die vollkommen alltägliche Manipulation von allen Seiten bewusst werden sollte. Die kommt nämlich tatsächlich von allen Seiten und ist so allgegenwärtig, dass sie den wenigsten von uns überhaupt noch auffällt.

Provokationen

Sehr häufig findet Manipulation in Form von Provokationen statt. Ein beiläufiger Spruch, zwei, drei Worte, vollkommen subtil. Provokationen sollen ein Bedürfnis ansprechen oder einen wunden Punkt. Wenn ich möchte, dass eine Person sich ärgert und schätze sie als Mensch ein, der sich wehrt, ist es auch relativ einfach. Ich muss also nur ein paar provokative Worte murmeln und die Person ist auf 180. Wer dann laut wird, ist der Mensch, der sich nur verteidigen wollte . Die subtile Provokation hat wahrscheinlich überhaupt niemand mitbekommen. Das klappt auch bestens unter Nachbarn. „Ich will dir nur sagen, dass die Koniferen in deinem Garten den Nachbarn neben dir die freie Sicht versperren und das wird Ärger geben.“ Und schon weiß ich, wenn ich so angesprochen wurde: Die Nachbarn von denen da gesprochen wird, haben ein Problem mit mir. Aber wissen die auch von diesem Problem? Möglicherweise will der Nachbar, der mich darauf angesprochen hat, dass ich meine Koniferen entferne oder kurz schneide, hat aber subtil manipuliert. Und doch, was hat er erreicht? Wenn ich auf diese Form der Manipulation reinfalle, laufe ich demnächst mit dem Gefühl durch meine Straße, dass die Nachbarn ein Problem mit mir haben und das über meinen Garten austragen.

Schleimerei

Ich nenne die Dinge gerne beim Wort und wir alle kennen das, dieses furchtbare Geschleime. Jeder hört mal gerne ein Kompliment. Es gibt aber Menschen, die eher schleimen, als Komplimente zu machen, und das ist dann der Fall, wenn man als Betroffener irgendwie das Gefühl hat: „Das ist jetzt zuviel. Das ist ja fast schon Huldigung.“ Ein Narzisst mag das toll finden, wer aber keine narzisstischen Züge hat, fühlt sich irgendwann unangenehm berührt.

Emotionale Erpressung

Die taucht in vielen Formen auf, sowohl im Arbeitsleben, als auch unter Freunden, in der Beziehung mit einem Partner wie auch in der Nachbarschaft. Wer das Bedürfnis nach Frieden und Harmonie in sich trägt, ist sehr leicht manipulierbar auf diesem Weg. Es reicht ja schon, wenn der Mensch, der mir in diesem Moment wichtig ist, nicht mehr mit mir spricht,  mich ignoriert und offenbar beleidigt ist. Unwillkürlich sitze ich da und mache mir Gedanken über die Gründe. Und ebenso unwillkürlich werde ich dann möglicherweise zustimmen, wenn irgendwann das Friedensangebot kommt, das natürlich nur dann Gültigkeit hat, wenn ich mich so verhalte, wie es mein emotionaler Erpresser von mir erwartet. Halt, stopp – nicht mehr mit mir.

Manipulation kannst du nur selten beweisen

Wenn du das Gefühl hast, dass du manipuliert werden sollst, entweder durch Provokationen, durch Geschleime oder durch irgendwelche Mittelchen der emotionalen Erpressung, dann ist das leider nur das, was es ist, nämlich dein Gefühl. Du wirst es niemals beweisen können. Die Meister der Manipulation machen das so clever, dass du ihnen überhaupt nichts nachweisen kannst. Sie stehen immer ganz unschuldig da, egal welche Methode sie angewendet haben. Wenn es sich um Schleimerei handelte, werden sie dir unter Tränen versichern, dass jedes Wort ernst gemeint war und sie dich oder das, was du so tust, einfach nur toll finden. Und nicht ahnen konnten, dass du so gegen sie bist. Sie sind dann mit Sicherheit sogar beleidigt, denn sie wollten dir nur was Gutes tun und du … du wusstest es einfach nicht zu schätzen.

Wenn die Manipulation in Form von Provokationen stattfand, ist es ebenso schwer, die Vorkommnisse als Tatsache in Worte zu fassen. In dem Fall bist du nämlich der Mensch der ausgetickt ist, und im schlimmsten Fall haben andere das mitbekommen. Du bist also der Bösewicht hier und niemand sonst.

Wenn emotionale Erpressung angewendet wurde, ist es ebenso deine Schuld und der Erpresser ist total unschuldig. Es wird ja wohl noch erlaubt sein verletzt zu reagieren!

Frag dich immer, wer was davon hat

Wenn du also den Verdacht hast, dass etwas, was jemand sagt oder tut, dich in irgendeine Richtung manipulieren soll, ist es am besten, wenn du erst mal ganz in Ruhe durchatmest. Und dann frage dich in Ruhe, wer etwas davon hat, wenn du drauf einsteigst. Ich komme noch mal auf das Beispiel mit den Koniferen zurück. Dieser Nachbar, der mir versichert, die Nachbarn auf der anderen Seite hätten was gegen meine Koniferen, hat wahrscheinlich selbst was dagegen, mag das aber nicht sagen, weil er keinen Stress mit mir will. Andererseits kann er vielleicht diese Nachbarn, von denen er spricht, nicht leiden und es kommt ihm entgegen, wenn ich denen in Zukunft auch aus dem Weg gehe.

Passiert es mir auf der Arbeit, dass ein Kollege einen Spruch bringt, der mich so provoziert, dass ich an die Decke gehe, wollte er möglicherweise genau das erreichen. Damit steht er selbst besser da, denn ich war ja diejenige mit dem Wutanfall. Wenn er es geschickt gemacht hat, wiegelt er mich sogar gegen meine Vorgesetzten auf: „Die sind ja nicht so begeistert von deiner Arbeit, habe ich neulich erfahren, aber sie haben halt niemanden außer dir. Ich gehe aber davon aus, dass sie bereits nach einem Nachfolger für deine Stelle suchen.“ Was könnte so jemand davon haben? Nun … vielleicht mag mich dieser Kollege nicht besonders und hätte mich gerne aus dem Weg. Mit einem Spruch in dieser Art könnte er erreichen, dass ich von meinem Arbeitgeber sehr enttäuscht bin, mir Gedanken über meine Situation am Arbeitsplatz mache und vielleicht nicht mehr so engagiert bin, weil mich diese Gedanken frustrieren.

Wenn jemand schleimt, um mich zu beeindrucken, ist doch das Ziel auch ganz klar. Dieser Mensch will meine Freundschaft oder ähnliches, definitiv will er in irgendeiner Form an meiner Seite sein. Vielleicht weil er ähnliche Ziele hat wie ich und glaubt, dass ich ihn mit durchschleife?

Es gibt unendlich viele Mittel und Wege der Manipulation. Ebenso unendlich sind die möglichen Situationen, in denen sie angewendet werden. Dass man manipuliert wurde, fällt den meisten Menschen immer erst im Nachhinein auf, es zu beweisen ist nahezu unmöglich. Da bleibt also nur die Möglichkeit, sich davor zu schützen, indem man einen Schritt zurücktritt, wenn man den Eindruck hat, dass etwas nicht stimmt – und sich zu fragen, wer davon was genau haben könnte, wenn die Nummer funktioniert. Und dann? Ganz anders reagieren als es offenbar gewünscht ist. Wenn dir das einmal gelungen ist, wirst du ein echtes Aha-Erlebnis haben. Mit jedem Aha-Erlebnis wirst du ein Stück erfahrener im Umgang mit Manipulation. Und das ist der einzige Weg, sich davon nachhaltig zu schützen.

Denn darüber sind wir uns sicher einig – Manipuliation hat nichts mit freiem Willen zu tun. Sie bringt dich dazu, zu denken und zu handeln, wie es dir eigentlich gar nicht entspricht, weil jemand anderes irgendwelche Ziele dadurch erreichen will. Und schon deswegen sollte man sehr genau beobachten und auf sein Bauchgefühl hören, wenn es sagt: „Irgendwas stimmt da doch nicht.“

Bildnachweis: pixabay.de

Fotograf: Yomare

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