Hoovering: Aber vielleicht ändert er sich ja wirklich?

Narzissten, Psychopathen und Co lassen sich nicht einfach so „entsorgen“, wenn man die Beziehung mit ihnen beenden will. Sie beleidigen, sie werten ab, viele prügeln ihre Opfer sogar. Sie zeigen Desinteresse, beuten aus, lassen den Partner oder die Partnerin schlecht dastehen. Manche machen das über Jahre, und da fragt man sich als Außenstehender natürlich, warum der betroffene Mensch das überhaupt mitmacht. Aber es ist nun mal ein schleichender Prozess, und wenn das Umfeld überhaupt wirklich irgendwann mal was mitbekommt – dann kann man davon ausgehen, dass der/die Betroffene bereits die Hölle hinter sich hat. So manchem Opfer reicht es einfach und es will kein Opfer mehr sein. Es beendet die Beziehung, zieht aus, oder setzt diesen Höllenmenschen an die Luft. War es das? Nun, in 99 Prozent aller Fälle war es das noch lange nicht. Jetzt geht es noch mal richtig zur Sache, denn jetzt kommt das Hoovering.

Hoovering wird fast immer missverstanden

Leider wird Hoovering auch von den Opfern in 99 Prozent aller Fälle völlig missverstanden. Es entsteht nämlich der Eindruck, der verflossene Partner würde um seine Beziehung kämpfen. Und das alleine – das wird schon häufig als sehr positiv empfunden, und das Opfer stellt fast augenblicklich alles infrage, was bis zu diesem Zeitpunkt während der Beziehung passiert ist. Wenn dieser Mensch jetzt um seine Beziehung so dermaßen kämpft, dann kann es doch nicht sein, dass er wirklich so schlecht ist, oder? Der Mensch gelobt Besserung, schwört, dass „so was“ nie wieder vorkommt, weint, bettelt um Vergebung (aber irgendwie nicht so richtig), und er tut einfach alles, um sich immer und immer wieder in Erinnerung zu bringen, bleiben zu können oder nicht mehr weg geschickt zu werden. Hoovering heißt in der direkten Übersetzung „staubsaugen“, und klingt daher schon ein wenig abwegig. Aber genau das ist der Punkt: Es wird Staub aufgewirbelt, das Opfer wird in seinen Gefühlen völlig durcheinander gebracht, und der Täter saugt sich an wie eine Zecke.

Das Opfer mag entschieden haben, diese Beziehung zu beenden, aber der Täter denkt überhaupt nicht daran, es gehen zu lassen. Kontaktabbruch? Pustekuchen. Distanz wird nicht akzeptiert. Hoovering ist eine Strategie, nicht mehr und nicht weniger. Es bedeutet nicht, dass derjenige um seine Beziehung kämpft, sondern dass er eine Strategie fährt, um diese Beziehung aufrecht zu erhalten. Das geschieht immer dann, wenn der Täter noch nicht fertig ist mit der ganzen Sache. Wenn das Opfer ihm noch etwas zu bieten hat, also sprich, sich als Wirt für parasitäres Verhalten noch immer eignet.

Hoovering – wie es abläuft

Manche sind ganz dreist und akzeptieren einfach nicht, dass ihr Opfer die Entscheidung getroffen hat, die Beziehung zu beenden. Sie verhalten sich, als sei überhaupt nichts gewesen, betreten ganz selbstverständlich weiterhin die Wohnung, legen sich abends neben ihrem Opfer schlafen, kochen für sich und das Opfer oder bestehen auf ihrer Mahlzeit. Sie erzählen „draußen“ auch nicht, dass die Beziehung gelaufen ist, sondern tun einfach, als sei alles in bester Ordnung. Werden sie darauf angesprochen, dass die Beziehung doch eigentlich beendet ist, streiten sie das ab. Sie murmeln was von einer Mücke, aus der die Partnerin oder der Partner einen Elefant macht, das kommt schon wieder in Ordnung … der/die Andere ist einfach derzeit ein bisschen launisch, wird sich aber wieder einkriegen.

Sie entschuldigen sich für das, was vorgefallen ist, wobei man da durchaus von unechten Entschuldigungen sprechen muss, denn meist haben diese den Tenor: „Wenn du nicht … dann hätte ich niemals so reagiert. DU hast mich so auf die Palme gebracht.“ Sprich, das Opfer ist eigentlich schuld an allem, was passiert ist oder hat in der Welt des Täters zumindest eine Menge zur Situation beigetragen.

„Ich ändere mich!“ Manche versichern sogar, dass sie bereit sind, eine Therapie zu machen oder geben vor, sich bereits in Therapie zu befinden. Das Hoovering basiert hier auf den Hoffnungen des Opfers, und leider haben die meisten Opfer davon noch viel zu viel – auch nach einer Trennung. Er/sie könnte sich ja ändern. Und dann? Dann könnte alles so toll sein, aber man hat diesen Menschen ja ziehen lassen oder rausgeworfen. Nun wird jemand anderes von diesen tollen Veränderungen profitieren! Ein Albtraum für die meisten Opfer – und daher greifen sie schnell nach einer vermeintlichen Chance und fallen damit voll auf eine Strategie im Hoovering herein.

Manche Ex-Partner, die Hoovering betreiben, schicken die sogenannten „Flying Monkeys“ vor. Der beste Freund, die beste Freundin oder irgendwer, der auf jeden Fall Einfluss haben könnte, wird sich nun also das Opfer vorknöpfen und im Sinne des Täters für ihn sprechen. „Du kannst den doch nicht einfach im Stich lassen, der braucht dich doch!“ Und da das eigentlich kein Argument ist, wird das Hoovering natürlich nach allen Regeln der Kunst ausgeübt: „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr dein Mann/deine Frau bereut, was da gelaufen ist!“

Gute Überleitung, denn Hoovering kann auch bedeuten, dass die Mitleidsmasche gefahren wird. Der Täter braucht dich. Er ist krank, lebensunfähig, kommt nicht alleine klar, hat masssive Probleme, jedenfalls wird dir klar gemacht, dass du ihn/sie jetzt nicht einfach im Stich lassen kannst. Notfalls wird dann auch mal was von Suizid gemurmelt, das Leben ist doch alleine einfach nicht mehr lebenswert. Und in anderen Fällen wird sogar ganz offen damit gedroht.

Karten, Geschenke, E-Mails, Postings an der eigenen Facebook-Chronik … gerade in der heutigen Zeit gibt es irrsinnig viele Möglichkeiten, immer wieder Kontakt zum Opfer aufzunehmen und sich damit ständig in Erinnerung zu bringen, an das Gute in seinem Opfer zu appellieren, an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern, an gemeinsame Verantwortlichkeiten. Die hübschen bunten Bildchen, die zu tausenden bei Facebook geteilt werden, sind da oft ganz nützlich. Sie werden schweigend gepostet, wohlwissend, dass du dieses Posting angezeigt bekommst … und dich augenblicklich schuldig fühlst.

Hoovering kann auch bedeuten, dass der Täter absichtlich noch Sachen in deiner Wohnung lässt, damit er immer wieder einen Grund hat, vorbeizukommen. Schließlich müssen die ja abgeholt werden. Es kann auch bedeuten, dass der Täter deine Sachen mitnimmt oder einbehält, damit er immer wieder einen Grund hat, bei dir aufzutauchen oder einfach nur Kontakt aufzunehmen – schließlich willst du doch deine Sachen wieder haben, oder etwa nicht? Du wirst aber hingehalten. Das ist alles nur Mittel zum Zweck und wenn überhaupt ein Austausch von Gegenständen stattfindet, dann nur zu einem kleinen Teil, und darum musst du dich richtig bemühen. Schließlich will der Täter mit dir im Gespräch bleiben.

Hoovering kann auch bedeuten, dass der Täter sich ganz ernsthafte Sorgen um deinen Gesundheitszustand macht. Er empfiehlt dir Fachärzte oder vielleicht sogar einen Psychiater für die ganzen psychischen Probleme, die du (angeblich) hast. Er schickt dir Links zu webseiten, auf denen du dich informieren kannst oder bietet dir sogar an, dich zu irgendeinem Arzt zu begleiten. Ist ja klar, wenn du dir jetzt helfen lässt, wird auch eure Beziehung endlich total toll werden!

Drama-Baby: Hoovering bedeutet in sehr vielen Fällen auch perfekte Inszenierungen zu einem fast noch perfekteren Drama. Wenn du durch irgendwelche Flying Monkeys erfährst, dass dein Täter keinen Lebensmut mehr hat und komische Bemerkungen gemacht hat, die so klingen als würde er nicht mehr leben wollen, dann fällt das nicht nur unter emotionale Erpressung, sondern ist auch eine gängige Methode beim Hoovering. Auf jeden Fall wird dafür gesorgt, dass du dir Sorgen um diesen Menschen machst, vielleicht sogar panisch durch die Stadt fährst und auf die Suche nach ihm gehst, Behörden einschaltest, und am Ende bist du völlig leer und mit den Nerven runter – während dein Täter irgendwo in Sicherheit sitzt und dir klarmacht, dass du da bestimmt was falsch verstanden hast.

Der totale Kontaktabbruch – die einzige Strategie gegen Hoovering

Es fällt den meisten Menschen sehr, sehr schwer, den Kontakt vollständig abzubrechen, aber solange dieser noch besteht, gibt es leider tausend Möglichkeiten für erfolgreiches Hoovering.

Einfach so zu tun, als wäre nichts, als würde die Beziehung weiter bestehen, obwohl du sie beendet hast, ist total pervers und das muss dir klar werden. Es heißt, dass deine Entscheidung nicht akzeptiert wird und du als Person nicht respektiert wirst. Dein Wille zählt nicht. Setz diesen Menschen an die Luft oder falls du bei ihm lebst, geh so schnell du kannst. Wenn ihr nicht zusammen lebt, lass ihn nicht mehr rein, lasse dich nicht in Telefonate verwickeln und auch nicht auf ein nettes Gespräch vor deinem Haus ein.

Auch alle anderen, genannten Methoden beim Hoovering haben nur ein einziges Ziel, nämlich dich zu zermürben. Du sollst diese Beziehung wieder aufnehmen, koste es was es wolle. Deine Realität wird verdreht, solange bis es passt. Du sitzt irgendwann da und machst dir Sorgen um diesen Menschen, oder  du machst dir Gedanken, ob mit dir alles stimmt, weil er sich Sorgen um dich macht. Durch die aufgezwungenen Gespräche oder die Liebesbeweise in seiner/ihrer Facebook-Chronik, per Mail, WhatsApp oder sonstige Kanäle sollst du zurück erobert werden. Der Parasit möchte zurück zu seinem Wirt. Und der bist du. Falls du immer noch glaubst, er hätte sich doch geändert und er macht doch jetzt eine Therapie, schon alleine deswegen hat er eine zweite Chance verdient (aber vielleicht ist es auch schon die dritte, vierte oder fünfte Chance), frag dich lieber nicht, ob das tatsächlich der Wahrheit entsprechen könnte. Frag dich an dieser Stelle lieber, warum du ihm all das glauben willst.

Hoovering ist nur möglich, wenn du noch Gefühle für einen Menschen hast. Aber dass du noch Gefühle hast, muss nicht bedeuten, dass diese Beziehung noch eine Chance hat.

Merke dir folgende Sätze

Wer dich einmal geschlagen hat, wird dich wieder schlagen.

Wer es über einen längeren Zeitraum hinweg gewohnt war, dich schlecht zu behandeln, wird dich wieder schlecht behandeln.

Wer dich belogen hat, wird wieder lügen.

Wer dich betrogen hat, wird dich wieder betrügen.

Wer dich und deine Bedürfnisse, deinen Kummer, deine Entscheidungen, deine Gefühle nicht respektiert und ernst nimmt, ist ein Parasit, der dich nicht als liebenden  Partner braucht, sondern als Wirt, den er/sie aussaugen kann.

Lass dich nicht hoovern!

Bild: pixabay.com

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